Stellen Sie sich vor, Sie gehen morgens aus dem Haus und überall auf den Straßen liegen Plastiktüten, leere Flaschen und Verpackungsmüll. Für viele Menschen in Togo ist das Alltag. Plastikmüll sammelt sich an, wird achtlos weggeworfen und belastet die Umwelt. Doch genau hier setzen wir an. Seit 2022 arbeiten wir daran, aus Plastikmüll eine Ressource zu machen und Menschen für den Umweltschutz zu begeistern.
Unser Weg begann 2022 mit kleinen Workshops: Sechs Gruppen lernten, aus weggeworfenen Plastiktüten nützliche Dinge herzustellen – von Seilen und Matten bis hin zu dekorativen Schlüsselanhängern. Aber mit der Zeit wurde uns klar: Es geht um mehr als nur Handwerk. Es geht um Bewusstsein.
Von der Idee zur Bewegung: Ein gemeinsamer Wandel
Jede große Veränderung beginnt mit Wissen. Deshalb rückten wir den Bildungsaspekt in den Vordergrund. Plastik ist nicht einfach nur Müll – es ist Material mit Wert. Wenn man es richtig einsetzt, kann es sogar Lebensgrundlagen schaffen. Gemeinsam mit der Hochschule Trier haben wir unsere Erfahrungen reflektiert und unser Projekt weiterentwickelt.
Dann kam der nächste Schritt: Eine Gruppe einheimischer Volunteers wurde gegründet. Sie tragen nicht nur unser Wissen weiter, sondern bringen auch neue Perspektiven ein. Der Name unserer Initiative spricht für sich: Miagboko – „Unsere Umwelt ist sauber“. Seit Oktober 2024 treffen wir uns regelmäßig, um Schulungen abzuhalten und Aktionen zu planen. Das Ziel? Menschen für ihre eigene Verantwortung sensibilisieren und zeigen, dass kleine Veränderungen große Wirkung haben können.
Novissikomé: Ein Modellviertel für die Zukunft
Wir haben uns bewusst für einen Stadtteil entschieden, in dem wir gezielt arbeiten: Novissikomé. Hier setzen wir ein einfaches, aber effektives System zur Mülltrennung um. Wir starten in Haushalten, arbeiten mit lokalen Gruppen zusammen und vernetzen uns mit Kirchen, Bars und Sportvereinen. Denn nur wenn viele mitmachen, kann sich nachhaltig etwas ändern.
Ein besonderer Erfolg war unsere Aktion an einer Mittelschule: „Zero Sachets au Collège Protestant“. Dank eines engagierten Lehrers konnten wir Schüler aktiv einbinden, Sammelaktionen organisieren und langfristig ein Bewusstsein für Müllvermeidung schaffen. Kinder und Jugendliche sind unsere Zukunft – wenn sie verstehen, warum Umweltschutz wichtig ist, tragen sie diese Einstellung in ihre Familien.
Herausforderungen? Gibt es! Aber wir haben einen Plan.
Nicht alles läuft glatt. Viele Menschen sind skeptisch: Warum Müll trennen, wenn das Entsorgungssystem nicht funktioniert? Die Antwort: Weil es irgendwo anfangen muss. Wir setzen auf einfache, direkt umsetzbare Maßnahmen. Zum Beispiel:
- Metallabfälle gezielt sammeln und an lokale Sammler weitergeben.
- Plastiktüten wiederverwenden oder weiterverarbeiten.
- Bewusstsein schaffen für Alternativen wie Mehrwegbehälter.
Und damit es nicht nur Theorie bleibt, haben wir Eco Jogging ins Leben gerufen. Einmal im Monat gehen wir gemeinsam laufen und sammeln dabei Müll. Bewegung trifft Umweltschutz – und plötzlich macht es Spaß, sich für eine saubere Stadt einzusetzen.
Was kommt als Nächstes?
Einer unserer nächsten Meilensteine ist ein Auftritt im lokalen Radio. Wir wollen ganz Kpalimé erreichen und die Menschen inspirieren, selbst aktiv zu werden. Gleichzeitig arbeiten wir an einer langfristigen Lösung: Eine Schredder-Maschine für Plastik. Sie wäre die erste in der Stadt und könnte Plastikmüll in wertvolles Granulat verwandeln. Das würde nicht nur die Umwelt entlasten, sondern auch Arbeitsplätze schaffen.
Wir wissen: Verhaltensänderungen brauchen Zeit. Aber wir sehen schon jetzt Fortschritte. Menschen, die jahrelang resigniert waren, finden neue Hoffnung. Die ersten Haushalte machen mit. Die ersten Jugendlichen engagieren sich. Der erste Schritt ist getan.
Und genau das zeigt uns: Jede noch so kleine Aktion zählt.