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Haltung & Debatte
14.07.2026
4 Min. Lesezeit
nO
Gedanken von
natureOffice Redaktion

Werbeversprechen können vertraut klingen. Green Claims brauchen belastbare Grundlagen.
In diesem Beitrag
Streng, aber fair?
Große Worte gehen. Grüne Worte müssen beweisen.
Was das für Unternehmen bedeutet
Liebe Leserin, lieber Leser: „Turbo für die Haare“ geht. „Bis zu 70 % weniger Falten“ geht. „… verleiht Flügel“ geht irgendwie auch. Aber „umweltfreundlich“? Da wird es schnell kompliziert.
Wer heute über Klima, Umwelt oder Nachhaltigkeit spricht, bewegt sich in einem deutlich engeren Rahmen als viele andere Werbeversprechen. Greenwashing soll verhindert werden, klar. Aber warum wird Unschärfe gerade bei Green Claims so schnell zum Risiko?
Was Green Claims belegen müssen
Wer heute über Klima, Umwelt oder Nachhaltigkeit kommuniziert, merkt schnell: Sprache ist hier kein Nebenschauplatz mehr. Ein Begriff kann reichen. Ein Label. Ein Symbol. Manchmal sogar ein gestalterischer Eindruck.
„klimaneutral“, „umweltfreundlich“, „nachhaltig“, „grün“ oder „ressourcenschonend“ stehen nicht nur kommunikativ unter Druck, sondern rechtlich. Mit EmpCo und der deutschen Umsetzung im UWG werden Umwelt- und Klimaaussagen noch einmal strenger gefasst.
Allgemeine Umweltaussagen brauchen künftig eine klare Begründung. Nachhaltigkeitssiegel müssen auf einem anerkannten Zertifizierungssystem beruhen oder staatlich festgelegt sein. Und produktbezogene Klimaaussagen, die auf Kompensation außerhalb der Wertschöpfungskette beruhen, werden stark eingeschränkt.

Einordnen statt versprechen
Der Impuls hinter den neuen Regeln ist richtig. Greenwashing ist kein erfundenes Problem. Verbraucherinnen und Verbraucher sollen erkennen können, ob ein Produkt tatsächlich umweltbezogen besser ist, ob ein Unternehmen wirklich reduziert oder ob am Ende nur eine gute Geschichte erzählt wird.
Mehr Klarheit ist also notwendig. Und trotzdem lohnt sich die Frage: Warum wird sprachliche Unschärfe ausgerechnet bei Green Claims so schnell zum Risiko, während sie in vielen anderen Werbefeldern zum normalen Handwerk gehört?
Eine Frage für zwischendurch
01
Was genau wurde gemessen – und worauf bezieht sich die Aussage?
02
Ist die Grundlage nachvollziehbar dokumentiert?
03
Welche Grenzen oder Voraussetzungen gehören dazu?
04
Was kann ein Unternehmen heute ehrlich und konkret sagen?
In der Praxis
Auch Zahlen können mehr versprechen, als sie auf den ersten Blick sagen. Ein Spitzenwert klingt stark. Aber gilt er für alle? Für den Durchschnitt? Für eine einzelne Testperson? Für eine bestimmte Messmethode?
Bei Umwelt- und Klimaaussagen schaut die Rechtsprechung besonders genau hin. Gleichzeitig funktionieren anerkannte Siegel anders: Dort wird Vertrauen über ein etabliertes Verfahren organisiert – Kriterien, Prüfung, Zuständigkeit und Kontrolle.

Die nächste Frage
Unternehmen, die über Klima- und Umweltleistung sprechen wollen, müssen nicht nur vermeiden, falsch zu sein. Sie müssen auch vermeiden, missverstanden zu werden.
Nicht leiser werden, sondern einfach klarer: Aus Kommunikation wird schnell Dokumentation. Aus einem Claim wird ein Nachweisprojekt.
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