
- Zur Sache
Zur Sache #1 - Freiwilliger Klimaschutz unter neuen EU-Regeln
Seit fast zwei Jahrzehnten beschäftigen wir uns bei natureOffice mit CO₂-Bilanzen, Reduktionsstrategien und Klimaprojekten. In dieser Zeit hat sich viel verändert – politisch, wirtschaftlich und kommunikativ. Die neue EU-EmpCo-Richtlinie ist ein weiterer Einschnitt. Ein paar Gedanken dazu aus unserer Praxis.
Freiwilliger Klimaschutz unter neuen Spielregeln
Ein paar Gedanken zur EU-EmpCo-Richtlinie
Mit der neuen EU-EmpCo-Richtlinie soll Greenwashing eingedämmt werden – ein nachvollziehbares Ziel. Gleichzeitig wird es für Unternehmen deutlich schwieriger, über freiwilligen Klimaschutz zu sprechen. Ein paar Gedanken von Andreas Weckwert dazu, warum gute Absichten manchmal zu merkwürdigen Nebenwirkungen führen können.
Seit 2007 verfolgen wir bei natureOffice eine ziemlich einfache Idee:
Unternehmen dabei zu unterstützen, Verantwortung für ihre Emissionen zu übernehmen. Freiwillig.
Wir erstellen CO₂-Bilanzen, entwickeln Reduktionsstrategien und gleichen unvermeidbare Emissionen über zertifizierte Klimaprojekte aus. Das Ziel dahinter ist kein Marketingbegriff, sondern ein physikalischer Gedanke: Klimaneutralität – so, wie sie auch vom IPCC beschrieben wird.
In den letzten Jahren hat sich rund um dieses Thema allerdings einiges verändert.
Nicht unbedingt beim Klimaschutz selbst – wohl aber bei der Frage, wie darüber gesprochen werden darf.
Die EmpCo-Richtlinie: strengere Regeln für Klima-Claims
Mit der neuen EU-EmpCo-Richtlinie, die 2026 in deutsches Recht überführt wird, möchte die EU irreführende Umweltversprechen verhindern.
Der Gedanke dahinter ist nachvollziehbar: Verbraucherinnen und Verbraucher sollen sich auf Umwelt-Claims verlassen können.
Gleichzeitig führt die Richtlinie zu einer neuen Situation.
Unternehmen, die freiwillig Emissionen bilanzieren, reduzieren und ausgleichen, müssen künftig sehr genau prüfen, welche Begriffe sie überhaupt noch verwenden dürfen – insbesondere auf Produkten.
Man könnte sagen: Klimaschutz bleibt wichtig.
Nur die Sprache darüber wird gerade deutlich komplizierter.
Der Gedanke des Verbraucherschutzes
Die strengeren Regeln werden vor allem mit Verbraucherschutz begründet.
Viele Umweltversprechen der letzten Jahre waren tatsächlich schwer überprüfbar oder schlicht zu großzügig formuliert.
Dass hier nachgeschärft wird, ist also nicht überraschend.
Interessant wird es allerdings, wenn man sich anschaut, wo Regulierung besonders stark eingreift – und wo der Staat weiterhin stark auf Eigenverantwortung setzt.

Ein merkwürdiges Spannungsfeld
Beim Thema Klima-Claims entsteht der Eindruck, dass Verbraucher besonders geschützt werden sollen – weil Umwelt-Aussagen leicht missverstanden werden könnten.
In anderen Bereichen setzt der Staat dagegen selbstverständlich voraus, dass Bürgerinnen und Bürger komplexe Regelwerke eigenständig bewältigen.
Ein Beispiel ist das Steuerrecht:
Hier wird erwartet, dass Bürger Fristen, Änderungen und Vorschriften im Blick behalten – in einem der komplexesten Steuersysteme der Welt. Dass dafür ganze Branchen von Steuerberaterinnen und Steuerberatern existieren, zeigt, wie anspruchsvoll dieses System ist.
Oder nehmen wir die Altersvorsorge:
Seit Jahren ist klar, dass das Rentensystem unter Druck steht. Trotzdem bleibt ein großer Teil der Vorsorge weiterhin individuelle Aufgabe der Bürger.
Und auch die Bürokratie wächst stetig weiter – von Grundsteuerreformen bis Energieeffizienzregeln.
Die Umsetzung liegt häufig bei Unternehmen und Bürgern, während die öffentliche Verwaltung selbst noch mit der Digitalisierung ringt.
Der Staat verfolgt also je nach Thema sehr unterschiedliche Strategien:
Mal wird stark reguliert, um Verbraucher zu schützen – mal wird auf Eigenverantwortung gesetzt.
Die praktische Seite der Regulierung
Mit der EmpCo-Richtlinie wird nun auch die Kommunikation rund um Klimaschutz deutlich aufwendiger.
- Webseiten, Verpackungen und Broschüren müssen überprüft werden.
- Begriffe müssen rechtlich eingeordnet werden.
- Dokumentationen werden umfangreicher.
Der Aufwand dafür ist nicht trivial – gerade für kleine und mittlere Unternehmen.
Natürlich ist Transparenz wichtig.
Die Frage ist nur, wie viel Komplexität dafür sinnvoll ist – und wie viel davon am Ende tatsächlich beim Klimaschutz hilft.
Seit 18 Jahren beschäftigen wir uns mit CO₂. Gut, dass wir damit schon angefangen haben.
Man könnte bei all den neuen Regeln den Eindruck bekommen, dass freiwilliger Klimaschutz schwieriger wird.
Aber eigentlich ist nur eines komplizierter geworden:
die Kommunikation darüber.
Die eigentliche Aufgabe bleibt dieselbe:
- Emissionen messen.
- Emissionen reduzieren.
- Verantwortung übernehmen.
Und genau daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern.
Auch wenn vielleicht nicht mehr jedes Engagement mit einem großen Label auf der Verpackung stehen kann: Unternehmen, die ihre Emissionen verstehen und reduzieren, sind langfristig schlicht besser aufgestellt.
Wir bei natureOffice werden deshalb weiterhin daran arbeiten, Unternehmen dabei zu unterstützen – fachlich sauber und rechtssicher.
Denn das Klima wartet nicht auf Richtlinien.
Herzliche Grüße,
Ihr Andreas Weckwert
Climate Claims und Nachhaltigkeitskommunikation rechtssicher umsetzen
Mit neuen EU-Regeln wie der EmpCo-Richtlinie werden Anforderungen an Umwelt- und Nachhaltigkeitsaussagen deutlich präziser. Unternehmen müssen zunehmend darauf achten, wie Angaben zu CO₂-Emissionen, Klimamaßnahmen oder Klimaneutralität kommuniziert werden. Im Mittelpunkt stehen sogenannte Climate Claims – also Aussagen darüber, welche Wirkung ein Unternehmen oder ein Produkt auf das Klima hat und wie diese belegt werden können.
natureOffice unterstützt Unternehmen dabei, CO₂-Emissionen zu bilanzieren, Klimamaßnahmen zu strukturieren und Engagement transparent darzustellen. Über eine eindeutige Kennzeichnung mit ID und QR-Code werden hinterlegte Informationen im Corporate Contribution Record zugänglich gemacht. Dort lassen sich Emissionsdaten, Klimamaßnahmen und Projektbeiträge nachvollziehen – eine Grundlage für transparente und zunehmend rechtssichere Nachhaltigkeitskommunikation.