Methan aus Deponien stoppen – und Strom daraus machen
Landfill Gas Extraction and Electricity Generation Project, Istanbul, Türkei
In Istanbul (Türkei) erfasst das Deponiegasprojekt an den Standorten Kömürcüoda und Odayeri Methan aus der Abfallablagerung, das ohne gezielte Maßnahmen unkontrolliert in die Atmosphäre entweichen würde.
Durch die Erfassung von Deponiegas wird verhindert, dass Methan aus der Abfallzersetzung unkontrolliert entweicht. Das Gas wird über Brunnen und ein Rohrleitungsnetz gesammelt, an Sammelpunkten gemessen (u. a. Menge und Methangehalt) und anschließend genutzt: Der größte Teil wird in Gasmotoren zur Stromerzeugung verbrannt, überschüssiges Gas wird in einer geschlossenen Fackel sicher oxidiert. So werden besonders klimaschädliche Methanemissionen wirksam reduziert – und gleichzeitig Strom erzeugt, der ins Netz eingespeist wird.
Die Klimawirkung ist als dauerhaft betriebene Infrastrukturmaßnahme angelegt: Die relevanten Parameter (Gasflüsse, Gasqualität, Stromerzeugung) werden systematisch erfasst und bilden die Grundlage für die Emissionsberechnung. Damit ist nachvollziehbar dokumentiert, wie viel Methan zerstört und wie viel Strom erzeugt wird – ein Ansatz, der auf kontinuierlichen Betrieb ausgelegt ist und eine klare, überprüfbare Wirklogik im Abfall- und Energiesektor abbildet.
Technische Projektdaten – GS707
Die wichtigsten Fakten zum Deponiegasprojekt auf einen Blick.
| Parameter | Beschreibung | Quelle |
|---|---|---|
| Projektstandort | Türkei; Istanbul; zwei Deponiestandorte: Kömürcüoda (asiatische Seite, Şile County) und Odayeri (europäische Seite, Eyüp County) | PDD (v26, 05.12.2017), Section A.2.4 |
| Projekttyp | Deponiegas-Erfassung (LFG) und Stromerzeugung; Überschussgas wird über Fackel verbrannt | PDD (v26, 05.12.2017), Section A.1 |
| Projektstandard | Gold Standard for the Global Goals; Projekt-ID GS707 | Monitoring Report (v05, 31.12.2024), Key Project Information |
| Projektteilnehmer / Betreiber | Yeşil Global Enerji A.Ş. (Hinweis: früherer Name Ortadoğu Enerji) | Monitoring Report (v05, 31.12.2024), Section A (Description of project) |
| Technologie / Ansatz | Gasbrunnen + Rohrleitungsnetz; Messung an Manifolds (u. a. Gasmenge/Gaskomponenten/Heizwert); Gasmotoren + Generatoren zur Stromerzeugung; Fackelsystem für Überschussgas | PDD (v26, 05.12.2017), Section A.3 (Technologies and/or measures) |
| Installierte Anlagen (Motoren) | 38 Gas-Engines (Odayeri 24, Kömürcüoda 14) | Monitoring Report (v05, 31.12.2024), Section A (Description of project) |
| Installierte Leistung | Odayeri 33,807 MW, Kömürcüoda 16,980 MW (installierte Kapazität) | Monitoring Report (v05, 31.12.2024), Section A (Description of project) |
| Projektbeginn (Stromerzeugung) | Start der Stromerzeugung: Odayeri 30.12.2008, Kömürcüoda 16.07.2009 | Monitoring Report (v05, 31.12.2024), Section A (Description of project) |
| Baseline-Szenario | Abfall wird abgelagert und zersetzt sich; keine Erfassung/Zerstörung des Deponiegases; Methan entweicht (Deponiegas typischerweise ~50 % Methan) | PDD (v26, 05.12.2017), Section A.1 |
| Methodologie | ACM0001: Flaring or Use(d) of Landfill Gas, Version 18.1 | Monitoring Report (v05, 31.12.2024), Key Project Information |
| Kreditierungsperiode (Typ / Länge) | Renewable crediting period, 7 Jahre | PDD (v26, 05.12.2017), Section C.2.1–C.2.3 |
| Start Kreditierungsperioden | Start 1. CP: 21.08.2010; Start 2. CP: 20.11.2017 | PDD (v26, 05.12.2017), Section C.2.2 |
| Monitoring & Verifizierung | Regelmäßiges Monitoring; unabhängige Verifizierung inkl. Desk Review und On-site visit (29.11.2024) | Verification Report (v02, 20.01.2024), Certification statement / Verification methodology and process |
| Projektlaufzeit / Langfristigkeit | Erwartete Lebensdauer: 23 Jahre (Dauer der Stromerzeugungslizenz) | PDD (v26, 05.12.2017), Section C.1.2 |
| Zusätzlichkeit | Zusätzlichkeit wird über Barrieren/Investitionskontext und Rolle der Carbon-Erlöse begründet | PDD, Section B.5 “Demonstration of additionality” |
| Permanenz & Risikomanagement | Technische Emissionsvermeidung (Methandesktruktion) über Betriebsdauer; „Permanenz“ wie bei Wald nicht relevant – entscheidend ist Betrieb/Monitoring/Verifizierung | Monitoring Report (PO), QA/QC & Data storage |
| Umgang mit Doppelzählungsrisiken | Emissionsminderungen werden über den Gold-Standard-Registrierungsprozess geführt (GS-Registrierungsreferenz im Prüfbericht) | Verification Report (2nd MP), GS Registration Reference No. 707 |
| Artikel-6-Autorisierung (Paris Agreement) | Keine Autorisierung gemäß Artikel 6 ausgewiesen | - |
| CCP-Status (ICVCM) | Keine CCP-Klassifizierung veröffentlicht | - |
| Carbon-Credit-Rating (extern, z. B. BeZero/Sylvera) | Keine projektbezogene externe Bewertung (z. B. BeZero, Sylvera) | - |
| Beitrag zur nationalen Klimastrategie | Beitrag zur Emissionsminderung in der Türkei durch Methanvermeidung im Abfallsektor und Einspeisung von Strom ins nationale Netz; zudem Impulse für moderne Abfallwirtschaft und geringere Abhängigkeit von importierter Energie. | PDD (v26, 05.12.2017), Abschnitt „Contributions to Sustainable Development“ |
Was das Projekt beitragen kann
Hier fassen wir zusammen, was das Projekt in Istanbul praktisch bewirkt – und warum das klimarelevant ist.
- 1
Methanemissionen aus Deponien deutlich reduzieren
Auf Deponien entsteht Deponiegas mit hohem Methananteil. Das Projekt erfasst dieses Gas gezielt über Brunnen und Leitungen – statt es unkontrolliert entweichen zu lassen.
- 2
Klimawirkung durch kontrollierte Verbrennung sichern
Das erfasste Deponiegas wird überwiegend in Gasmotoren genutzt; überschüssiges Gas wird über eine geschlossene Fackel verbrannt. So wird Methan zuverlässig zerstört – und die Klimawirkung entsteht „an der Quelle“.
- 3
Strom aus Abfallgas ins Netz einspeisen
Die Motoren treiben Generatoren an; der erzeugte Strom wird in das türkische Netz eingespeist. Dadurch kann konventionelle Stromerzeugung ersetzt werden – als zusätzlicher Effekt neben der Methanvermeidung.
- 4
Moderne Deponietechnik im Betrieb verankern
Das Projekt bringt Infrastruktur und Betriebsroutinen zusammen: Gasfassung, Kondensatmanagement, Mess- und Steuertechnik sowie klare Betriebsprozesse auf zwei großen Deponiestandorten. Das ist relevant, weil die Wirkung nicht von einem einmaligen Bau abhängt, sondern vom kontinuierlichen Betrieb.
- 5
Messbarkeit und Nachvollziehbarkeit dauerhaft absichern
Die Klimawirkung wird über Monitoringdaten (z. B. Gasparameter, Strommengen, Betriebsstatus von Motoren/Fackel) dokumentiert und im Rahmen des Gold-Standard-Prozesses regelmäßig verifiziert.
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Globale Klimabedeutung
Methan schnell wirksam vermeiden
Methan wirkt kurzfristig sehr stark auf das Klima. Projekte, die Methanemissionen aus Deponien technisch verhindern, adressieren damit einen Hebel mit unmittelbarer Klimarelevanz.
Klimaschutz in einem wachsenden Ballungsraum
Istanbul ist eine sehr große Metropole mit entsprechendem Abfallaufkommen. Wenn hier Deponiegas systematisch erfasst und zerstört wird, wirkt das dort, wo Emissionen ohne Maßnahmen sehr wahrscheinlich anfallen würden.
Doppelter Mechanismus: Emissionsvermeidung plus Netzeinspeisung
Die Klimawirkung entsteht primär durch Methanzerstörung – und zusätzlich durch Stromerzeugung, die Strom aus dem Netz ersetzt. Das macht die Wirkung robust, weil sie nicht nur von einem Faktor abhängt.
Langfristige Wirkung durch laufenden Betrieb und Kontrolle
Deponien emittieren über viele Jahre. Ein dauerhaft betriebenes Erfassungs- und Verbrennungssystem, kombiniert mit Monitoring und Verifizierung, schafft die Voraussetzungen für langfristig abgesicherte Emissionsminderungen.
Sustainable Development Goals (SDGs) - Die relevanten und die ergänzenden Beiträge
Neben der Vermeidung von Treibhausgasemissionen stärkt das Projekt in Istanbul die kontrollierte Behandlung von Deponiegas und nutzt es energetisch. Dadurch werden Emissionen dort reduziert, wo sie in einer wachsenden Metropole typischerweise dauerhaft anfallen: in der Abfallwirtschaft und im Stromsystem. Der Kernbeitrag liegt bei SDG 13 (Klimaschutz). Ergänzend ist SDG 7 (saubere Energie) naheliegend, weil Strom aus erfasstem Deponiegas ins Netz eingespeist wird. Weitere SDGs werden ergänzend unterstützt; einige sind als Randbeiträge einzuordnen.
Das Projekt verhindert, dass Methan aus Deponien unkontrolliert in die Atmosphäre entweicht. Das Gas wird erfasst und kontrolliert verbrannt – überwiegend in Motoren zur Stromerzeugung, überschüssig per Fackel. So entsteht Klimawirkung direkt über die Vermeidung besonders klimaschädlicher Methanemissionen.
Beitrag:
Das Projekt verhindert, dass Methan aus der Deponie unkontrolliert in die Atmosphäre gelangt. Das Gas wird erfasst und kontrolliert verbrannt (in Motoren oder per Fackel), sodass besonders klimaschädliche Emissionen messbar reduziert werden.Das erfasste Deponiegas wird als Energiequelle genutzt: Die Anlage erzeugt Strom und speist ihn ins Netz ein. Damit wird zusätzliche Stromerzeugung bereitgestellt, die konventionelle Erzeugung teilweise ersetzen kann.
Beitrag:
Das Projekt nutzt erfasstes Deponiegas zur Stromerzeugung und speist den erzeugten Strom in das nationale Netz ein. Dadurch wird eine zusätzliche Energiequelle erschlossen und konventionelle Stromerzeugung kann – abhängig vom jeweiligen Strommix – teilweise ersetzt werden.In einer Großstadt ist Abfallwirtschaft ein zentraler Infrastrukturbaustein. Die kontrollierte Erfassung und Behandlung von Deponiegas reduziert Emissionen aus der kommunalen Abfallbehandlung und unterstützt damit indirekt eine robustere, modernere Stadtinfrastruktur.
Beitrag:
In einer Metropole wie Istanbul ist die kontrollierte Behandlung von Abfällen ein zentraler Infrastrukturbaustein. Die systematische Erfassung und Behandlung von Deponiegas reduziert Emissionen aus der städtischen Abfallwirtschaft und unterstützt damit indirekt eine robustere, modernere Stadtinfrastruktur.Das Projekt adressiert eine Folge des Konsums – das Abfallaufkommen – mit einer Maßnahme, die Emissionen aus der Entsorgung verringert und Deponiegas energetisch nutzt. Damit wird ein Teil der „Nachlauf-Emissionen“ aus Abfällen systematisch behandelt.
Beitrag:
Das Projekt adressiert Emissionen, die als Folge des Abfallaufkommens bei der Entsorgung entstehen. Durch Erfassung, Nutzung und kontrollierte Verbrennung von Deponiegas werden diese „Nachlauf-Emissionen“ systematisch reduziert, statt unkontrolliert freigesetzt zu werden.Die technische Infrastruktur (Gasfassung, Mess- und Steuertechnik, Motoren/Generatoren, Fackel) sowie die Betriebs- und Monitoringroutinen sind entscheidend, damit die Wirkung dauerhaft entsteht. Das ist ein Infrastrukturbeitrag, aber nicht der eigentliche Projektkern.
Beitrag:
Für die Wirkung braucht es verlässliche Technik und dauerhafte Betriebsprozesse: Gasfassung, Mess- und Steuerungstechnik, Stromerzeugung, Fackelbetrieb sowie Monitoringroutinen. Das Projekt etabliert damit technische und organisatorische Infrastruktur, die eine langfristige Emissionsminderung praktisch umsetzbar macht.
So entsteht die CO₂-Einsparung
Auf Deponien entsteht bei der Zersetzung organischer Abfälle Deponiegas mit einem hohen Methananteil. Ohne Erfassung würde dieses Methan weitgehend unkontrolliert entweichen und die Klimawirkung stark erhöhen.
Im Projekt passiert deshalb Folgendes: Auf Deponien entsteht bei der Zersetzung organischer Abfälle Deponiegas, das zu einem großen Teil aus Methan besteht. Methan ist ein besonders wirksames Treibhausgas. Ohne Maßnahmen würde dieses Gas über Jahre hinweg unkontrolliert entweichen.
Das Projekt sammelt das Deponiegas über Gasbrunnen und Leitungen ein und misst an definierten Punkten, wie viel Gas anfällt und wie hoch der Methananteil ist. Anschließend wird das Gas kontrolliert verbrannt: überwiegend in Gasmotoren zur Stromerzeugung, überschüssiges Gas in einer Fackel. Dadurch wird Methan zu CO₂ umgewandelt – die Klimawirkung entsteht vor allem, weil Methan gar nicht erst als Methan in die Atmosphäre gelangt. Der erzeugte Strom wird zusätzlich ins Netz eingespeist und kann konventionellen Strom teilweise ersetzen.
Damit daraus CO₂-Zertifikate entstehen, werden die vermiedenen Emissionen nach einer anerkannten Methodologie (ACM0001) aus den Monitoringdaten berechnet (Gasmenge, Methananteil, Betriebsdaten). Diese Berechnung und die zugrunde liegenden Daten werden anschließend unabhängig verifiziert. Erst auf dieser geprüften Basis werden die Emissionsminderungen als Zertifikate ausgestellt.
Einordnung und Transparenz
Das Istanbul Landfill Gas Extraction and Electricity Generation Project (GS707) ist im Gold Standard registriert und unterliegt einem regelmäßigen Monitoring sowie unabhängigen Verifizierungen durch akkreditierte Prüfstellen. Die ausgewiesenen Emissionsminderungen beruhen auf dokumentierten Monitoringdaten (u. a. erfasste Gas- und Strommengen) und werden nach der anerkannten Methodologie ACM0001 berechnet. Auf Basis der geprüften Monitoring- und Verifizierungsberichte werden die Emissionsminderungen anschließend als Zertifikate ausgestellt.
CO₂-Ausgleich mit Substanz: Rechtssicherheit und saubere Klimakommunikation
CO₂-Ausgleich steht heute deutlich stärker unter Beobachtung – durch strengere Anforderungen an Umweltclaims und eine kritischere Öffentlichkeit. Wer mit Begriffen wie CO₂-kompensiert, CO₂-neutral oder klimaneutral kommuniziert, braucht eine belastbare Grundlage: eine saubere CO₂-Bilanz und eine nachvollziehbare Dokumentation, was ausgeglichen wurde – und wie die Klimawirkung zustande kommt.
Ein rechtssicherer Ansatz beginnt mit der Datenbasis. Wir erstellen Ihren Corporate Carbon Footprint (CCF) und – bei Produkten – Ihren Product Carbon Footprint (PCF) nach internationalen Standards. Das ist die Basis für Nachhaltigkeitsberichte (z. B. nach VSME) und eine Kommunikation, die auf prüfbaren Fakten beruht.
Beim CO₂-Ausgleich selbst zählt vor allem die Nachweisqualität: klare Methodologien, Monitoring, unabhängige Verifizierung und transparente Registerführung. Gerade technologische Klimaschutzprojekte – etwa aus Abfall- und Energiewirtschaft – liefern hier eine gut messbare Wirklogik, weil Emissionen technisch verhindert oder kontrolliert reduziert werden.
So wird Kompensation kein PR-Thema, sondern ein sauber eingeordneter Baustein im CO₂-Management – inklusive Claim-Logik für Website, Angebot und Reporting.