Methan stoppen statt entweichen lassen – Deponiegas-Projekt in Uberlândia
Uberlandia Landfills I and II
Das Deponiegas-Projekt in Uberlândia (Minas Gerais, Brasilien) setzt dort an, wo Emissionen sonst oft „einfach passieren“: auf einer Deponie, wenn organische Abfälle im Untergrund Methan bilden und unkontrolliert entweichen. Ziel ist es, dieses Deponiegas systematisch zu erfassen – und den enthaltenen Klimatreiber Methan gezielt zu zerstören
Konkret wird das Gas über ein Sammelsystem abgesaugt und anschließend in einer Hochtemperatur-Fackel verbrannt und/oder in Motoren zur Stromerzeugung genutzt. Dadurch wird verhindert, dass Methan in die Atmosphäre gelangt – und zusätzlich entsteht Strom, der ins Netz eingespeist werden kann und dort rechnerisch konventionelle Erzeugung ersetzt.
Ein Projekt, das zeigt, wie praktische Infrastruktur an einem sehr realen Problem ansetzt: weniger Methan aus Abfall, mehr kontrollierte Behandlung – und Klimawirkung genau dort, wo sie sonst schwer sichtbar wäre.
Technische Projektdaten – GS 3434
Die wichtigsten Fakten zum Deponiegasprojekt auf einen Blick.
| Parameter | Beschreibung | Quelle |
|---|---|---|
| Projektstandort | Brasilien; Bundesstaat Minas Gerais; Stadt Uberlândia (Distrito Industrial II); Projektgrenze und Koordinaten dokumentiert. | PDD, Section A.2, p. 2 |
| Projekttyp | Deponiegasprojekt: Erfassung von Methanemissionen aus Abfalldeponien mit Verbrennung (Fackel) und teilweiser Stromerzeugung; Abfallsektor mit Energiekomponente. | PDD, Section A.1, p. 1 |
| Projektstandard | Gold Standard for the Global Goals (GS4GG). | Project Registration / GS Passport, p. 1 |
| Zusatzstandard | Kein zusätzlicher Standard ausgewiesen. | Projektangaben |
| Projektentwickler | Deponiebetreiber Limpebrás Resíduos Ltda.; Projektumsetzung und -vertretung u. a. durch Energas Geração de Energia Ltda. und Asja Brasil. | PDD, Section A.1, p. 1 |
| Technologie / Ansatz | Sammlung von Deponiegas über Brunnen- und Rohrleitungssysteme; Verbrennung in Hochtemperatur-Fackel sowie Nutzung in Gasmotoren zur Stromerzeugung (3 Motoren, gesamt ca. 4,3 MW); Einspeisung ins Stromnetz. | PDD, Section A.1, pp. 1–2 |
| Baseline-Szenario | Ohne Projekt würde Deponiegas unkontrolliert entweichen; Methanemissionen würden ohne Erfassung und Behandlung direkt in die Atmosphäre gelangen. | PDD, Section B.1, p. 6 |
| Methodologie | ACM0001 – Flaring or use of landfill gas (Large Scale) inkl. zugehöriger Tools. | PDD, Section A.3, p. 3 |
| Projektbeginn | Start der Projektaktivität 2011; Fackelbetrieb ab 2012; Stromerzeugung aus Deponiegas seit 2012, Erweiterung durch zusätzlichen Motor ab 2020. | PDD, Section C.1.1, p. 11 |
| Crediting Period | Mehrere aufeinanderfolgende Crediting Periods innerhalb der maximalen GS-Gesamtlaufzeit von bis zu 15 Jahren. | PDD, Section A.4, p. 4 |
| Projektstatus | Projekt im laufenden Betrieb; ursprünglich CDM-registriert, später Übergang zu Gold Standard (GS4GG); regelmäßige Verifizierung und Issuance. | Monitoring Report, Executive Summary |
| Jährliche Emissionsminderungen | Emissionsminderungen aus vermiedenen Methanemissionen sowie aus Stromerzeugung aus Deponiegas; Höhe je Monitoringperiode ausgewiesen. | Monitoring Report, Emission Reduction Summary |
| Hauptwirkungsmechanismus | Vermeidung von Methanemissionen durch Erfassung und Verbrennung/Nutzung von Deponiegas sowie zusätzliche Verdrängung fossiler Stromerzeugung durch Netzeinspeisung. | PDD, Section A.1 & B.1 |
| Monitoring & Verifizierung | Kontinuierliches Monitoring von Gasmenge, Methangehalt, Fackel- und Motorbetrieb sowie Stromexport; unabhängige Verifizierung im GS-Prozess. | Monitoring Report, Section D |
| Zusätzlichkeit | Zusätzlichkeit über anerkannte Tools zur Baseline- und Zusätzlichkeitsprüfung nachgewiesen. | PDD, Section B.5, pp. 8–9 |
| Permanenz & Risikomanagement | Keine Permanenzproblematik wie bei AFOLU-Projekten; Risiken liegen v. a. in Mess- und Betriebsqualität und werden über Monitoring und QA/QC adressiert. | Monitoring Report, Section D |
| Carbon-Credit-Rating | Kein externes Carbon-Credit-Rating ausgewiesen. | Projektangaben |
| Carbon credit rating type | Keine projektbezogene externe Bewertung (z. B. BeZero, Sylvera). | Projektangaben |
| Artikel-6-Autorisierung (Pariser Abkommen) | Keine Angabe zur Artikel-6-Autorisierung. | Projektangaben |
| CCP-Status (ICVCM) | Keine CCP-Klassifizierung ausgewiesen. | Projektangaben |
| Umgang mit Doppelzählungsrisiken | Übergang von CDM zu Gold Standard dokumentiert; keine parallelen Credits für identische Emissionsminderungen. | Monitoring Report, Section A |
| Monitoring-Ansatz | Systematische Erfassung aller relevanten Gas- und Stromparameter; periodische Berichterstattung und unabhängige Prüfung. | Monitoring Report, Sections D.1–D.3 |
| Projektlaufzeit / Langfristigkeit | Erwartete technische Lebensdauer der Anlage rund 20–21 Jahre; langfristig ausgelegter Betrieb über mehrere Crediting Periods. | PDD, Section C.1.2, p. 11 |
| Beitrag zur nationalen Klimastrategie | Beitrag zur Emissionsminderung im brasilianischen Abfallsektor und zur erneuerbaren Stromerzeugung im Energiesystem. | PDD, Section A.1 |
Was das Projekt beitragen kann
Hier fassen wir zusammen, was das Projekt tatsächlich erreichen soll und welche praktischen Veränderungen dadurch möglich werden.
- 1
Methanemissionen aus der Deponie wirksam senken
Auf der Deponie entstehendes Methan wird gezielt erfasst und nicht unkontrolliert freigesetzt. Genau dort, wo Emissionen sonst „einfach passieren“, greift das Projekt ein und reduziert einen der wirksamsten Klimatreiber direkt an der Quelle.
- 2
Abfallgas kontrolliert behandeln statt entweichen lassen
Durch Sammelsysteme, Fackelbetrieb und Gasmotoren wird Deponiegas technisch beherrscht. Das verbessert den Deponiebetrieb insgesamt – weniger Geruch, mehr Kontrolle, weniger diffuse Verluste.
- 3
Strom aus Deponiegas ins regionale Netz einspeisen
Ein Teil des erfassten Gases wird zur Stromerzeugung genutzt. Der erzeugte Strom fließt ins öffentliche Netz und ersetzt dort rechnerisch konventionelle Stromerzeugung – ein zusätzlicher Nutzen über die reine Methanvermeidung hinaus.
- 4
Sicherheit und Betriebsqualität der Deponie erhöhen
Die systematische Gasfassung senkt Risiken wie Gasansammlungen oder unkontrollierte Entzündung. Gleichzeitig werden Betriebsabläufe professionalisiert und dauerhaft überwacht.
- 5
Dauerhafte Betriebs- und Serviceeffekte in der Region schaffen
Der laufende Betrieb benötigt Technik, Wartung, Messung, Kontrolle und qualifiziertes Personal. Das sind wiederkehrende Aufgaben – und damit stabile, regionale Effekte im Alltag der Abfallwirtschaft, nicht nur ein einmaliges Bauprojekt.
Globale Klimabedeutung
Methan dort stoppen, wo es unvermeidbar entsteht
Abfälle fallen weltweit an – und damit auch Deponiegas. Entscheidend ist nicht, ob Methan entsteht, sondern wie damit umgegangen wird. Das Projekt setzt genau an dieser unvermeidbaren Quelle an und verhindert, dass das Gas unkontrolliert in die Atmosphäre gelangt.
Großer Klimaeffekt mit vergleichsweise überschaubarem Eingriff
Im Vergleich zu vielen anderen Klimaschutzmaßnahmen sind Deponiegasprojekte technisch klar abgegrenzt: Eine definierte Quelle, bekannte Prozesse, messbare Wirkung. Genau das macht sie zu einem effizienten Hebel, um kurzfristig relevante Emissionsminderungen zu erzielen.
Entlastung des Klimasystems in einer kritischen Zeit
Methan wirkt besonders stark in den ersten Jahrzehnten nach der Freisetzung. Jede heute vermiedene Emission hilft, die kurzfristige Erwärmungsdynamik zu bremsen – ein wichtiger Beitrag, um Kipppunkte im Klimasystem nicht weiter zu verschärfen,
Übertragbares Modell für viele Länder
Deponien gibt es überall – insbesondere in schnell wachsenden Städten des globalen Südens. Das Projekt steht exemplarisch für einen Ansatz, der technisch erprobt, skalierbar und international übertragbar ist. Genau darin liegt seine globale Relevanz.
Sustainable Development Goals (SDGs) - Die relevanten und die ergänzenden Beiträge
Neben der Reduktion von Treibhausgasemissionen trägt das Uberlândia-Deponiegasprojekt zur klimafreundlicheren Abfallbehandlung, zur Emissionsminderung im Energiesektor und zu verbesserten Betriebsstandards im Deponiebetrieb bei. Die wichtigsten Beiträge liegen bei SDG 13 (Maßnahmen zum Klimaschutz) und SDG 7 (Bezahlbare und saubere Energie). Weitere Ziele werden sekundär oder indirekt unterstützt. Einige SDGs gelten als Randbeiträge, die begleitend wirken, jedoch nicht im Projektkern verankert sind.
Das Projekt erfasst Methan aus der Deponie und verhindert, dass es unkontrolliert in die Atmosphäre entweicht. Methan ist ein besonders wirksames Treibhausgas; seine kontrollierte Erfassung und Nutzung führt daher zu einer direkten und wirksamen Emissionsminderung.
Beitrag:
Vermeidung von Treibhausgasemissionen durch Reduktion von Methanfreisetzung aus der Abfallwirtschaft.Das erfasste Deponiegas wird energetisch genutzt und zur Stromerzeugung eingesetzt. Dadurch wird erneuerbarer Strom in das lokale Netz eingespeist und fossile Stromerzeugung rechnerisch verdrängt.
Beitrag:
Erzeugung erneuerbarer Energie aus Abfallgasen und Unterstützung der Stromversorgung ohne zusätzliche fossile Brennstoffe.Eine kontrollierte Erfassung von Deponiegas verbessert den Betrieb und die Umweltverträglichkeit von Abfallentsorgungsanlagen. Das reduziert Emissionen, Gerüche und Sicherheitsrisiken im Umfeld der Deponie.
Beitrag:
Verbesserung der Umwelt- und Sicherheitsstandards in der kommunalen Abfallwirtschaft.Das Projekt etabliert technische Systeme zur Gasfassung, -aufbereitung und Stromerzeugung. Damit wird moderne Infrastruktur im Abfall- und Energiesektor aufgebaut und dauerhaft betrieben.
Beitrag:
Stärkung technischer Infrastruktur und professioneller Betriebsprozesse in der Abfall- und Energieversorgung.Betrieb, Wartung und Überwachung der Gasanlage sowie der Stromerzeugung erfordern qualifiziertes Personal und laufende Dienstleistungen.
Beitrag:
Begleitende Beschäftigungs- und Serviceeffekte im Betrieb der Deponiegas- und Energieanlagen.Die energetische Nutzung von Deponiegas trägt zu einer effizienteren Nutzung von Abfallströmen bei. Abfall wird nicht nur entsorgt, sondern als Energiequelle genutzt.
Beitrag:
Indirekter Beitrag zu ressourceneffizienterer Abfallbewirtschaftung durch Nutzung von Restgasen.Durch die kontrollierte Erfassung von Deponiegas sinken Risiken durch unkontrollierte Gasemissionen und mögliche lokale Luftbelastungen.
Beitrag:
Indirekter Gesundheitsnutzen durch verbesserte Emissionskontrolle im Deponiebetrieb.
So entsteht die CO₂-Einsparung
Erfasstes Methan wird energetisch genutzt statt in die Atmosphäre freigesetzt. Die so vermiedenen Emissionen lassen sich quantifizieren und bilden die Grundlage für CO₂-Zertifikate.
Auf der Deponie entsteht bei der Zersetzung organischer Abfälle Methan. Dieses Gas würde ohne Maßnahmen unkontrolliert in die Atmosphäre entweichen. Methan ist ein besonders wirksames Treibhausgas und trägt kurzfristig deutlich stärker zur Erderwärmung bei als CO₂.
Im Projekt Uberlândia wird das Deponiegas gezielt erfasst und energetisch genutzt. Das Methan wird gesammelt und zur Stromerzeugung eingesetzt, statt in die Atmosphäre zu gelangen. So entsteht Klimawirkung an zwei Stellen:
– durch die Vermeidung von Methanemissionen
– und durch die Erzeugung von Strom, der fossile Stromerzeugung im Netz ersetzt.
Wie hoch die Emissionsminderungen sind, wird auf Basis der tatsächlich erfassten Gasmengen und der erzeugten Energie berechnet. Dabei wird berücksichtigt, wie viel Methan ohne das Projekt freigesetzt worden wäre und welche Emissionen durch die Stromerzeugung zusätzlich vermieden werden.
Diese Einsparungen werden gemessen, dokumentiert und regelmäßig unabhängig überprüft. Auf dieser Grundlage entstehen die CO₂-Zertifikate des Projekts.
Einordnung und Transparenz
Dieses Deponiegasprojekt ist unter dem Gold Standard for the Global Goals (GS4GG) registriert und wird im Rahmen des Standards regelmäßig überwacht sowie unabhängig verifiziert. Die ausgewiesenen Emissionsminderungen basieren auf geprüften Monitoringberichten und einer anerkannten Methodologie zur Erfassung und Quantifizierung vermiedener Methanemissionen aus der kontrollierten Erfassung und Nutzung von Deponiegas.
Rechtssichere Kompensation
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